Das Material Stahl und seine Bearbeitung
Die Formfindung von Stahlplastiken ist für die KünstlerInnen ganz erheblich abhängig vom Material, das entweder in sogenannten Halbzeugen - Rohre, Bleche, Winkelformen, Stäbe als Neumaterial - vorliegt oder in Form von Alteisen, also schon fertiggeformten und verwendeten Metallteilen.
Im Neumaterial sind Kurvaturen, Proportionen und Einzelmaße weniger vorgegeben als im Alteisen, dafür ist es fast unmöglich, organisch gebogene Umrisse oder Kurven mit der Hand vor Ort zu erzeugen. Das Altmaterial hingegen liefert oft erstaunliche Formen, die bis ins kleinste Detail exakt ausgeführt sind, schränkt die Verwendung jedoch vor allem stilistisch ein.

Die meisten präsentierten Werke sind aus Stahlblechen entstandene Hohlkörper, nur wenige sind massiv. Das Arbeiten im Stahl-Symposion ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass der große Fundus an alten Eisenteilen großzügig verwendet und bei Bedarf Neumaterial von der Energie AG bestellt wird. Die Form und Gestaltung der Stahlplastik ist außerdem stark abhängig vom verwendeten Werkzeug.
Die Energie AG ist seit 10 Jahren bemüht, die Arbeitsbedingungen für KünstlerInnen so ideal wie möglich zu gestalten und jedes Jahr gibt es zusätzliche Möglichkeiten der Bearbeitung. Dennoch sind die handwerklich-technischen Arbeitsmethoden begrenzt auf Zusammenfügen von Metallteilen durch Schweißen (mit Elektro-, Autogen- oder Schutzgasgeräten), auf Zuschneiden der Metallteile mit der Flex oder dem Brennschneider und auf Umformung durch Schmieden. Außergewöhnlich exakte Schnitte werden in Ausnahmefällen vom computergesteuerten Plasmaschneider des Werks getätigt. Andere Möglichkeiten der Eisenverarbeitung, wie z.B. Eisenguss, sind nicht möglich, da keinerlei technische Ausrüstung in diese Richtung vorhanden ist. Auch die Kombination der Eisenverarbeitung mit anderen Werkstoffen, z.B. Beton, läßt sich schwer bewerkstelligen, da der Aufwand für die dort arbeitenden KünstlerInnen dafür zu groß wäre.
Diese begrenzten Bearbeitungsmethoden schlagen sich in der äußeren Gestalt der Werke nieder: die Schweißnähte wie auch die Schnitte sind mit der Hand gezogen, die Formenvielfalt ist begründet aus dem vorgefundenen Material und den zur Verfügung stehenden Werkzeugen. Wer sich als KünstlerIn auf diese Rahmenbedingungen einlassen kann, findet in der Gipshalle der Energie AG im Sommer fast unbegrenzte Möglichkeiten des Arbeitens.