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Das Denken in Stahl
Die Arbeit
in Stahl mit eisenbearbeitenden Werkzeugen ist nüchtern, schwer und nicht
in wenigen Minuten zu vollenden. Der Weg von der Ideen-Konzeption bis
zur Verwirklichung ins letzte Detail wird durch aufwendige technische
Prozesse verlängert und erfordert einen langen Atem. Zwei Ansatzpunkte
in der Vorgehensweise künstlerisch-bildhauerischen Schaffens in Metall
fallen auf:
1. Die
Arbeit kann von einer Konzeption ausgehen. Damit ist die Idee in Form
eines Entwurfs, einer Skizze oder eines Modells schon verwirklicht. Das
kleine Modell kann jedoch nur die ungefähre Wirkung der späteren Plastik
angeben und wird dann maßstäblich auf die entsprechende Originalgröße
übertragen. Der Entwurfsprozess ist deutlich vorgelagert und die Arbeit
des Ausführens ist in Einzelschritten exakt planbar. Besonders für überdimensional
große Plastiken eignet sich dieses Verfahren.
 
2.
Eine andere Zugangsmöglichkeit bietet sich in Form spontanen Arbeitens,
das eine Entwicklung der Idee und der Form auch während des Arbeitsprozesses
zulässt. Dabei spielen Experiment, Zufall und vorgefundenes Material eine
große Rolle, ja sie beeinflussen ständig die Konzeption. In der Regel
bildet ein Element aus dem Fundus des Schrottplatzes den Ansatzpunkt für
eine bildhafte Vorstellung, die dann ausschließlich in vorhandenen Materialien
realisiert wird. Durch den neu gewonnenen Kontext können die Materialien
eine künstlerische Bedeutung erhalten. Diese Arbeitsweise ermöglicht starkes
und direktes Eingehen auf das Material, auf seine Masse, Dichte, Oberfläche
und andere wirkende Kräfte. Letztendlich ergibt sich meist eine gegenseitige
Korrektur und Beeinflussung von Handeln und Reflexion. Ohne Reflexion,
rein "aus dem Bauch" kommt allerdings gar nichts, was Adorno in folgenden
Worten feststellt: "Nur Dilettanten stellen alles in der Kunst aufs Unbewusste
ab." (Adorno, 1970, S.21).
 
Die
in Riedersbach werkenden KünstlerInnen arbeiten nicht alle eindeutig in
einer der oben genannten Kategorien, vielmehr ergibt sich während der
monatelangen Arbeitszeit meist ein Durchmischen der Arbeitsweisen. An
Einzelwerken kann man beobachten, ob sie im vorhinein konstruiert sind,
oder sich während des Arbeitsprozesses entwickelt haben. Meist ergibt
sich ein Arbeitsprozess, der beides, sowohl Konzept, als auch Spontaneität
und direktes Eingehen ermöglicht. Der Leiter des jährlichen Stahl-Symposions,
Karlheinz Schönswetter, stellt keine Diktionen in
dieser Hinsicht auf - weder zur Arbeitsweise noch zum Konzept. In den
von ihm geleiteten 5-tägigen Seminaren, die z.T. auch vom Pädagogischen
Institut Linz angeboten werden, steht allerdings deutlich die spontane
Arbeitsweise im Vordergrund, da das Spezifische des Materials von den
TeilnehmerInnen und die technischen Methoden der Metallbearbeitung meist
erst gelernt werden müssen.
Die Arbeit ist auf jeden Fall ein echtes Abarbeiten im Material, eine
intensive, extreme Lebenserfahrung, die Geist und Körper ins Schwitzen
bringt!
  
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